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Oper

Rigoletto

Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi
Dichtung von Francesco Maria Piave
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln


RIGOLETTO – Giuseppe Verdi from Theater-TV on Vimeo.



“Der König amüsiert sich” – so lautet der Titel der Vorlage zu Verdis “Rigoletto”, dem ersten Baustein seiner “trilogia popolare”. In der Oper ist es dann aber kein König mehr, sondern es sind zwei Männer, die sich amüsieren, und zwar auf Kosten anderer: der Herzog von Mantua und sein Hofnarr Rigoletto. Während der Herzog seinen Frauenverschleiß wider moralischer Grundsätze überschäumen lässt, macht sich Rigoletto über die Männer der Auserwählten lustig. Zu Hause mimt er den liebenden Vater, der seiner Tochter Gilda die Außenwelt jedoch beinahe gänzlich verwehrt – nicht mal seinen Namen kennt sie. Es kommt wie es kommen muss: Gilda und der Herzog verlieben sich ineinander, die Doppelexistenz Rigolettos erhält Brüche. Auf Rache schwörend setzt er ein gewaltiges Drama in Gang, das ihm schließlich selbst zum Verhängnis wird.
Obwohl der Uraufführung ein langes Ringen mit der Zensur vorausgeht, trifft Verdi den Puls der Zeit. Die Themenkomplexe besitzen (noch heute) gewaltige Aktualität: Eine Randfigur will dazu gehören, wird aber lediglich geduldet. Gefühle und Beziehungen werden zugunsten des eigenen Egos betäubt oder verdinglicht – es geht um Macht und Eigenverantwortung. Gesellschaftssysteme werden infrage gestellt, das Spiel aus Eigen- und Fremdwahrnehmung immer wieder neu aufgefächert. In der Konsequenz erwächst ein groteskes Gegenüber von real versus irreal, Privatheit versus Öffentlichkeit, Mann versus Frau, Leben versus Tod und Lachen
versus Weinen. Unter der quäkenden Oberfläche brodelt bittere Ernsthaftigkeit, die stets vorangetrieben wird durch den archaischen Kern: eine selbsterfüllende Prophezeiung. Kurz vor seinem Tod soll Verdi gesagt haben: “Die ganze Welt ist ein Narrenhaus!” Und in genau dieses Narrenhaus lädt er uns ein mit einer radikal berührend-bewegenden Musik – ohne Entkommen.

Zu jeder Vorstellung von “Rigoletto” sowie zu allen Premierenvorstellungen dieser Spielzeit bieten wir Ihnen jeweils eine halbe Stunde vor Beginn einen Einführungsvortrag im Foyer an.

Hier lesen Sie ein exklusives Interview von Dramaturg Markus Tatzig mit Regisseur Frank Hilbrich

Mit “Rigoletto” löst sich Verdi von der konventionellen Nummernstruktur und schafft ein auf die musiktheatralische Wirkung konzentriertes Werk aus einem Guss. Was interessiert Dich an “Rigoletto”?

Mich interessiert vor allem das Unheimliche an dieser Geschichte, der Psychothriller. Verdis Oper ist ungeheuer dicht komponiert. Alles ist knapp geschrieben und voller offener Fragen. Die interessanteste Frage ist für mich, in wie weit beruflicher Ehrgeiz und Perfektionismus einen Menschen deformieren und zum seelischen Krüppel machen können. Körperlich ist Rigoletto von Anfang an ein Außenseiter, ein Behinderter. Seelisch wird er es erst im Laufe des Stücks, während er einen immer größeren Realitätsverlust erleidet.

Die erste Begegnung zwischen Rigoletto und dem Mörder Sparafucile findet bezeichnenderweise in einer Sackgasse statt. Was bedeutet dieses Bild von Ausweglosigkeit für die Geschichte?

Es ist ein Bild, bei dem man nie genau weiß, ob es real stattfindet oder nur eine Fantasie Rigolettos ist, ein Albtraum. Das ist großartig von Verdi gemacht! Die Sackgasse steht da vor allem als Bild für Rigolettos seelische Situation. Er hat sich vollkommen verrannt in einen Wahn aus Argwohn, Angst und Kontrollwut.

Gilda ist zu Beginn der Oper gewissermaßen ohne Ziel, bis ihr Verlangen und ihre Sehnsucht durch den Herzog eine Richtung erhalten. Wie siehst Du die Beziehung zwischen den beiden?

Ich weiß gar nicht, ob man hier von einer Beziehung sprechen kann. Eher gebrauchen und benötigen die beiden einander als Projektionsfläche. Jeder ist für den anderen das Idealbild großer romantischer Liebe. Real wird diese Beziehung nie, sie muss sich darum auch nie bewähren, sondern bleibt immer nur Traumbild.

Und wie steht es um Rigoletto? Ist seine Geschichte nicht eigentlich einer selbsterfüllenden Prophezeiung ähnlich? Hat Rigoletto Gilda tot geliebt?

Nein, ganz sicher nicht. Kein Vater will seine Tochter als Tote lieben, Rigoletto ist nicht pervers. Aber er hat sich komplett verirrt. Er wird zum Opfer seines Kontrollwahns und seines Perfektionismus. Den letzten Akt, in dem Gilda zu Tode kommt, inszeniert er ja selbst. Es ist die größte Show, die der Hofnarr Rigoletto jemals abzieht. Und sie führt zum Tod des einzigen Menschen, der wirklich wichtig für ihn war. Das ist tragisch und tief verstörend.

Pause nach ca. 60 Minuten.

Mitwirkende

Musikalische Leitung: Matteo Beltrami
Inszenierung: Frank Hilbrich
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Gabriele Rupprecht
Dramaturgie: Markus Tatzig

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